Laminatboden macht Räume kaputt

Laminatboden macht Räume kaputt

Nur weil es jeder so macht, heißt es noch nicht, dass es gut ist. Ich schätze, es ist an der Zeit, die weit verbreitete Methode alte Wohnungen schnell mit etwas Laminatboden aufzuhübschen zu hinterfragen und mit einigen scheinbaren guten Gründen ihn zu verlegen aufzuräumen.

„Aufhübschen“… eine kurzfristige Angelegenheit

Ich kann nachvollziehen, dass Wohnungs- und Hausbesitzer sich oftmals für die kurzfristige, schnelle und „günstige“ (dazu später mehr) Variante des Laminatbodens und der Rauhfasertapete entscheiden, um eine Wohnung in einen ansehnlichen Zustand zu versetzen. Es macht definitiv kurzfristig etwas her. Unebenheiten an Boden und Wänden verschwinden. Im ersten Moment ploppt das wohlige Gefühl von Holzboden auf… bis man den Boden dann mit den Füßen berührt. Dann fliegt der „Schwindel“ auf.
Die Tapete lässt sich vielleicht 3-4 Mal streichen, bis spätestens beim 5. Mal die Tapete samt Farbe herunterkommt. Gerade in Altbauten, die etwas feuchtere Wände haben kommen dann teilweise noch ganz andere Überraschungen, wie Schimmel zu Tage.

Dieser Artikel soll Mut machen und positiv stimmen. Doch dazu sind vorab einige kleine Infos zu Laminat und Rauhfaser nötig.

Einige scheinbar gute Argumente, die es zu widerlegen gilt:

  • Laminatboden ist grundsätzlich nicht so robust und pflegeleicht, wie er gerne angepriesen wird.
  • Laminatboden vermittelt kein schönes Gefühl, wenn man darauf läuft oder es berührt.
  • Laminatboden ist ein künstlichens Material und unter Umständen sogar schädlich für seine Bewohner.
  • Laminatboden wird von den Mietern gewünscht. Tatsächlich? Wer will wirklich gerne auf einer Plastikschicht leben?
  • Laminatboden ist nicht günstig sondern langfristig sogar teuer. Monitär, aber auch ökologisch betrachtet.
  • Rauhfasertapete versteckt Unebenheiten in der Wand nur unter der Voraussetzung, dass die ganze Wand durch die vielen kleinen Pünktchen insgesamt uneben wird.
  • Rauhfasertapete muss nach einigen Jahren wieder ausgetauscht werden, weil man sie nicht beliebig überstreichen kann. Irgendwann wird die Farbe zu schwer für die Tapete.
  • Rauhfasertapete macht kein angenehmes Raumklima. Ein schöner Putz in Lehm oder Kalk lässt den Raum atmen, macht das Raumklima gesünder und kann manchmal sogar Schimmel vermeiden.

15 Jahre – und was kommt danach?

Ein Laminatboden hat eine Lebensspanne von 15 Jahren (wenn es gut läuft), bevor er unansehnlich wird. Danach lässt er sich nur noch auf einer Deponie entsorgen und verbrennen. Laminatboden besteht aus vielen unterschiedlichen Schichten verschiedener Materialien, die alle miteinander verklebt sind und nicht mehr voneinander zu lösen sind. Recycling? Fehlanzeige.

Sind 15 Jahre ehrlich gesagt nicht total wenig Zeit für einen Boden? Ja. Verglichen mit anderen Bodenbelägen, wie dem guten alten Dielenboden, der zurzeit besonders häufig dem Laminatwahnsinn zum Opfer fällt. Er kann auch noch nach 80-100 Jahren (ja tatsächlich) ordentlich und gepflegt aussehen, weil man ihn abschleifen, gut reinigen und pflegen kann.

Mehr Gefühl und Seele für den Raum

Laminat ist nur ein Foto mit einer Plastikschicht darüber

Einen Laminatboden ist unecht. Er tut so als sei er etwas anderes, nämlich Holz, dabei ist er ein Foto von Holz mit Plastik darüber. Ganz ehrlich… wer würde eine Bahn Plastik ausrollen und behaupten, dass er gerne darauf leben möchte? Vermutlich niemand. Doch dieser Umstand wird ganz leicht vergessen, wenn man die hübsch bedruckte Holzoberfläche sieht.

Holzboden: Echt, ehrlich und gesund

Oft hört man den Satz: Holz ist ein ehrliches Material. Und es stimmt. Holz ist das, was es ist, eben Holz. Es gibt nicht vor, etwas anderes zu sein.
Es lässt sich gut putzen und reinigen. Man kann kleinere Macken und Kratzer örtlich ausbessern oder nach einigen Jahren den Boden einmal wieder komplett abschleifen. Dann ist er wie neu.

Genau die Macken und Kratzer können aber auch eine schöne, charmante Geschichte erzählen, was in dem Raum schon alles passierte. Gerade in Mietwohnung mit häufigen Bewohnerwechsel macht das den Boden lebendig.

Der Holzboden „altert schön“

Die Japaner haben dafür sogar ein eigenes Wort „wabi sabi“, was so viel wie „das verborgene Schöne“ beschreibt. Es ist nicht das offensichtlich Neue und Glanzvolle, sondern vielmehr das Gereifte, Gealterte mit seiner persönlichen und einzigartigen Geschichte.

Die Wand muss atmen

Die Wand ist wie eine dritte Haut, die den Menschen nach seiner eigenen und der Kleidung umhüllt. Auch sie muss atmen. Was so viel heißt wie: Es ist wichtig, dass die Oberfläche der Wand Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben kann. Dass das Material eine luftreinigende und schimmelabweisende Wirkung hat.

Das erreicht man idealerweise durch einen Lehm- oder Kalkputz. Aber auch eine herkömmlich verputzte Wand, gestrichen mit atmungsaktiver Farbe (Silikatfarbe, Lehmfarbe, Kalkfarbe,…) kann schon zu einem besseren Raumklima beitragen.

Ein weiterer Vorteil von natürlicheren Farben ist auch oft die „bessere“ Zusammensetzung ihrer Farbigkeit. Sie enthalten echte Pigmente und sind aus mehreren Farben zusammengemischt. Das ergibt eine wunderschöne, lebendige Farbe, die sich positiv auf die Seele auswirkt.

Die Alternativen zu Laminatboden:

Vorab sei gesagt, dass es es nicht „die EINE“ Alternative für Laminatboden gibt, die ich per se überall empfehlen würde. Ein Bodenbelag ist so individuell, wie die Lage, die Nutzung und die Benutzer des Bodens.

Gerade in Eigentumswohnungen oder privaten Häusern könnte man den Boden sogar wie ein Möbelstück betrachten und ihn perfekt an den Bedarf und die Bedürfnisse anpassen.

Lies hierzu auch den Artikel „der Boden als Möbelstück“, wo du für dich die ganz individuellen und wundervollen Möglichkeiten deines Bodens entdecken kannst.

In Altbauten den echten Dielenboden erhalten! Schleifen, ölen und voilà: man hat einen wunderschönen warmen Holzboden, der an der ein oder anderen Stelle bestimmt auch seine Geschichte der vielen Jahre in Benutzung erzählt. Das echte Holz lässt sich einige Male schleifen und sieht auch noch nach vielen Jahren gut aus. Ganz nach dem japanischen „wabi sabi“ machen Kratzer und Macken den Boden nicht hässlich, sondern charmant.

In Neubauten (aber auch in Altbauten) etwas mehr Geld in die Hand nehmen und zumindest einen schönen Parkettboden verlegen, den man ebenfalls 1-3 Mal abschleifen kann, je nach dem, wie dick die oberste Schicht ist. Der Boden ist viel langlebiger als Laminatboden und wird die Investition für das Wohlgefühl wert sein.

Wenn es kein Holz sein soll:

Korkboden ist wasserabweisend, beständig, vermittelt ein schönes warmes Gefühl an den Füßen und lässt sich gut putzen. Ein etwas ausgefallener Bodenbelag für unsere Breitengrade, aber durchaus erwähnenswert.

Linoleumboden ist ebenfalls ein sehr natürlicher Boden und außerdem sehr strapazierfähig. Ihn gibt es in vielen verschiedenen Farben und Musterungen und es bleibt großer Gestaltungsfreiraum. Auf das Gefühl kommt es an und Linoleum vermag es, ein warmes, weiches Gefühl zu vermitteln. So, dass Kinder gerne darauf spielen und mit ihrer Eisenbahn herumfahren.

Fliesenboden kann in manchen Bereichen des Hauses ebenfalls eine gute Alternative sein. Vorallem auf einer Fußbodenheizung spielt Fußkälte auch keine Rolle mehr. Es gibt mittlerweile Fliesen in etlichen Farben, Formen, schlicht und verspielt. Je nach Anforderung lässt sich ganz sicher ein wundervoller Boden damit gestalten.

Sichtbeton ist ein immer beliebterer Bodenbelag. Gerade mit der eben erwähnten Fußbodenheizung ist er eine gute und strapzierfähige Alternative. Kombiniert mit den richtigen Materialien und Textilien ist er absolut salonfähig und durch aus ein sanfter zarter Bodenbelag.

Noch ein Gedanke zum Schluss: Der Boden ist der Kontakt zu deinem Inneren.

Der Boden ist die symbolische Verbindung zur Erde und damit auch zu deinen Wurzeln und deinem Selbst. Die vielen feinen Nerven in deinen Füßen spüren genau worauf du läufst und das wirkt auf dich und dein Wohlbefinden.

Dein Inneres weiß, ob du auf einem Plastikboden läufst, der so tut als wäre er Holz, auch wenn es das Auge nicht unmittelbar unterscheiden kann und fühlt sich unsicher.

Dein Wohlbefinden wird genährt durch die Berührung und das Gefühl, ausgelöst durch Holzboden oder eines anderen „echten Materials“. Das lässt dich zu dir und zur Ruhe kommen, weil deine Nerven die Ehrlichkeit des Materials spüren, dass nichts anderes vorgibt zu sein, als es ist.

Sei dir selbst es wert und schenke dem Boden, auf dem du tagtäglich läufst, mehr Beachtung.

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