Raumgestaltung & Farbkonzepte

“Vielleicht… Farbe?” Warum ein Farbkonzept nicht gleich “bunt” bedeutet!

“Vielleicht… Farbe?” Warum ein Farbkonzept nicht gleich “bunt” bedeutet!

Woher kommt die Scheu vor Farbe an den Wänden?

Warum fällt die Auswahl von Farben in einem Farbkonzept so schwer?
Besteht die Angst, sich zu schnell satt zu sehen? Oder sind es die Kosten oder der mit dem Streichen verbundene Aufwand?
Oder ist es die Idee, dass farblich gestaltete Innenräume zwangsweise irgendwie zu “bunt” sind?

In diesem Artikel möchte ich gerne mit einigen Vorurteilen über die Gestaltung mit Farbe aufräumen und zeigen, dass farblich gestaltete Räume nicht gleichzeitig auch bunt sein müssen. Sondern dass Farben stattdessen helfen können, ein wohliges Zuhause zu schaffen. 

Der große Unterschied zwischen bunt und farbig:

Dies ist meine eigene Definition der Worte, die zwei vollkommen unterschiedliche Zustände beschreiben.
“Farbig” heißt, es sind dort Farben vorhanden. Wie viele und in welcher Intensität ist dabei noch nicht beschrieben.
“Bunt” dagegen beschreibt eine Situation, in der viele Farben mit einer starken Intensität zusammentreffen.

So könnte eine “farbige” Wand auch ein ganz zartes Hellgelb tragen, ohne gleichzeitig “bunt”, also ins Auge stechend und auffällig zu sein.

Wandfarbe ist kein Trend!

Auch wenn viele Hersteller und Zeitschriften uns glauben lassen wollen, dass dem so sei.

Eine Wandfarbe sollte mehr sein, als nur ein kurzweiliger Zierschmuck, an dem man sich nach wenigen Monaten schon wieder sattgesehen hat.

Eine gut gewählte Wandfarbe unterstützt und beeinflusst:

  • die Wirkung der Architektur, also ob etwas weit oder schmal, lang oder kurz, hoch oder niedrig wirken soll
  • die Stimmung des Raumes, also ob dort eher eine fröhliche, lebendige oder gediegenere, beruhigende oder sogar neutrale Atmosphäre herrschen soll
  • das Gefühl der Menschen im Raum, also ob diese sich eher aufgemuntert, behütet, animiert oder entspannt fühlen sollen

Wandfarben sollten also nicht nur nach kurzweiligem Gefallem ausgesucht werden.

Wenn eine Wandfarbe nach der Wirkung, der Stimmung und des Gefühls umfassenderen Gesichtspunkten ausgewählt wird, dann hat sie Bestand und wird langfristig Freude bereiten.

Die glorreiche “weiße Wand” – Woher kommt dieser Glaube?

Die weiße Wand wurde in den 1920er Jahren von den modernen Architekten dieser Zeit als Sinnbild perfekter Architektur verstanden, da sie die reine Form, unverfälscht erfahrbar macht und die Architektur in ihrer reinen Schönheit zeigt.

Lies hierzu auch einen sehr empfehlenswerten und ausführlichen Artikel im AD Magazin:
https://www.ad-magazin.de/article/die-weisse-wand

Ob die Architekten damit richtig lagen oder nicht, sei hier dahingestellt. Sicher ist aber dass sich seither die Farbe Weiß als ideal und am geeignetsten für die Architektur hartnäckig gehalten hat.

Architekten heute entwerfen in weiß und schwarz. Linear und flächig. Die Farbe kommt wenn überhaupt erst ganz am Schluss oder ist nicht selten “Sache der Bauherren”.

Dabei sagte sogar LeCorbusier selbst:
„Die Farbe in der Architektur, ein ebenso kräftiges Mittel wie der Grundriss und der Schnitt. Oder besser: Die Polychromie, ein Bestandteil des Grundrisses und des Schnittes selbst.“

Architektur, Innenarchitektur, Räume und Strukturen entwickeln sich also im Idealfall gemeinsam.

Das Weiß von heute hat nichts mehr mit dem der Moderne zu tun

Die damals so gefeierte weiße Wand bestand aus meist gekalkten Oberflächen oder echten Pigmenten, wie der Champagnerkreide, die eine viel lebendigere und wunderschöne Oberfläche erzeugten.

Die gängigen weißen Wandfarben von heute sind auf Deckkraft optimiert und haben mit der “der Architektur schmeichelnden” weißen Farbe der Moderne nichts mehr gemeinsam.

Es ist also längst an der Zeit, die weiße Wand in Frage zu stellen oder zumindest zu überdenken.

Wer sich gern mit weiß umgibt, ist gut beraten, zu pigmentechten Farben zu greifen, die dann auch tatsächlich schmeicheln und nicht verschleiern.

Weiß ist überall präsent und damit “Standard”

Wir nehmen das als Standard an, was meist üblich ist. Und weiße Wände sind überall.

Mietwohnungen sollen meistens weiß gestrichen und damit “neutral” übergeben werden.
Architekten übergeben ihre geplanten Häuser meistens in Weiß und die Farbauswahl bleibt, wenn überhaupt, bei den Bauherren.
Sogar Museen propagieren den white cube als besten Raum für die Ausstellung von Objekten.

Weiß wird als neutral, sauber und am wenigsten aufdringlich deklariert. Doch tatsächlich ist weiß eine der unnatürlichsten, am seltensten in der Natur vorkommenden Farben.

Für die Gestaltung harmonischer und gesunder Innenräume sollte das reine, deckungsoptimierte Weiß also unbedingt hinterfragt werden.

Das Gegenteil von weiß ist nicht schwarz und schon gar nicht bunt

Also, was wenn nicht weiß?

Kannst du dir vorstellen, dass es den perfekten Farbton für einen Raum gibt, sodass alle Kriterien, wie Raumwirkung, Wirksamkeit der Gegenstände darin, Gefühl, Stimmung und Atmosphäre bestmöglich zu Geltung kommen?
Ja?
Gut.

Dann sind wir schon beim wichtigsten Punkt für die Farbgestaltung angekommen:

Nicht wild darauf los Farben aussuchen, Hauptsache die Wand ist nicht mehr weiß…Nein.
Sondern zuallererst Gedanken darüber machen, wie der Raum genutzt wird, was passiert dort, wie sollen sich die Menschen darin fühlen?
Dann die Analyse: Wie ist der Raum zur Sonne orientiert? Ist er hell oder eher düster?
Gibt es Ecken, die betont oder kaschiert werden sollen?
Welche Materialien und Farben sind bereits im Raum vorgegeben durch Böden oder Möbel.

Dann können Farben ausgewählt und kombiniert werden. Dann gibt es genügend Anhaltspunkte und Kriterien für ein trendloses und damit auch zeitlos und langfristig glücklich machendes Farbkonzept.

Hilfe bei der Auswahl der Raumkriterien und der Farben

Bei der Bestimmung und Festlegung der Kriterien zu Raumwirkung und Atmosphäre bin ich gerne behilflich, denn diese zu kennen macht die Auswahl der Farben dann zu einem schönen Prozess, der miteinander gestaltet werden kann.

Ich als Farbgestalterin liefere Farben, mögliche Kombinationen und treffe eine gewisse Vorauswahl.

Die finalen Entscheidungen liegen dann bei dir, deinen Gefühlen und deinen Vorlieben.

Lasse dich hier in meinem Artikel über Farbkonzepte von gesammelten Beispielen inspirieren!

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